Michelle Limacher

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Michelle Limacher
Mitarbeiterportrait

«Gesundheit bedeutet für mich Freiheit.»

Sie wirkt auf den ersten Blick ein wenig wie «Wonder Woman» Gal Gadot. Aber nicht nur das Äussere ist auffällig spannend, sondern auch, was Michelle Limacher zu sagen hat. Vier Jahre ihres Lebens verbrachte die 29-Jährige mit Schmerzen, Operationen und Rehabilitation. Die positive Sicht aufs Leben hat sie trotzdem nie verloren.

Interview und Text: Anna Maier / Fotos: Simon Leibundgut

Es gibt diese Menschen, die Glanz und Glamour ausstrahlen – persönlich sogar noch mehr als auf Fotos. So kann ich kaum mehr wegsehen, als Michelle Limacher, Teamleiterin BackOffice Binelli Group, überpünktlich zum Interviewtermin erscheint. «Ich lasse mich ungern fotografieren», sagt sie und es schwingt keine Koketterie mit. Michelle Limacher hat nichts Gekünsteltes, sondern wirkt authentisch und stark, mit einer natürlichen Autorität. Man spürt sofort, dass sie wohl schon einiges erlebt hat. Und der Eindruck täuscht nicht.

Michelle Limacher geht sofort auf Tiefgang, wirkt offen, vertraut und nahbar. Eigenschaften, die sie sich vielleicht durch ihren Job angeeignet hat? Im Kundendienst sind sie und ihre Mitarbeitenden ständig konfrontiert mit den Launen der unterschiedlichsten Menschen. Zielgerichtet Lösungen zu finden ist das oberste Ziel. Dass diese Fähigkeit auch privat mal eine tragende Rolle spielen wird, hat sie nicht voraussehen können.

Nun, was ist passiert? Michelle Limacher zögert kurz. Sie ist keine, die gerne ihr Leben ausbreitet. Sie lässt sich nämlich nicht nur ungern fotografieren, sondern steht auch nicht gerne im Mittelpunkt und überlegt sich genau, was sie preisgeben möchte, wem sie was sagt. Wenn sie aber mit ihrer persönlichen Geschichte anderen jungen Menschen helfen kann, nicht aufzugeben in schwierigen Situationen, dann steht sie hin. Und schwierige Situationen im Leben, die kennt sie.

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«Ich befand mich in einem ständigen Wechselbad – das geht an die Substanz.»

«Ich habe eine angeborene Hüftdysplasie - eine Fehlentwicklung der Hüftpfanne. Die hat sich bei mir aber erst mit 21, 22 gezeigt. Mit schlimmen, stechenden, starken Schmerzen. Ich war bei zig Ärzten, niemand konnte eine Diagnose stellen. Sie meinten, ich solle mir mal überlegen, ob es etwas Anderes, Psychisches sein könnte. Ich wusste aber, dass es nichts Psychisches war.»

Eine Odyssee beginnt. Michelle Limacher, eine junge Frau, die gegen aussen unbeschwert wirken mag, steht innerlich schwere Kämpfe aus. «Irgendwann fand ich einen Arzt, der erkannte, was mir so viel Schmerzen bereitete. Ich war erleichtert, auch wenn die Diagnose für mich im ersten Moment niederschmetternd war.» Was folgt, sind unzählige Arztbesuche, das Abwägen, ob eine Operation Erleichterung bringen könnte. «Hoffnung und Enttäuschung gingen Hand in Hand. Ich befand mich in einem ständigen Wechselbad – das geht an die Substanz.»

Obwohl sie ein von Natur aus ein fröhlicher und positiver Mensch ist, muss Michelle Limacher lernen, sich ihrem Schicksal zu stellen und erhält einen völlig neuen Blickwinkel: «Ich hatte sehr viele schlechte Tage. Aber diese Zeit hat mich so viel dankbarer gemacht. Nicht, dass ich vorher undankbar gewesen wäre. Aber das Bewusstsein ist ein anderes, wenn du merkst, wie es sich anfühlt, wenn der Körper nicht mehr das macht, was er tun soll.»

Vier Jahre dauert die Krankheitsgeschichte insgesamt. Schmerzen sind ihr täglicher Begleiter, manchmal kommt sie kaum vom Fleck. «Ich wünschte mir nicht mehr, einen Marathon laufen zu können oder einen Berg zu besteigen. Ich wollte einfach nur mal wieder allein einkaufen gehen. Ich lief die ganze Zeit an Krücken, durfte mein Bein nicht belasten. Irgendwann hast du auch keine Muskeln mehr und musst alles wieder mühselig aufbauen. Socken anziehen, duschen, selbständig unterwegs sein, das war alles einfach nicht mehr möglich.»

Die alltäglichen Erledigungen werden zur fast unüberwindbaren Hürde. «Wenn ich den Einkauf machen wollte, schaute ich vorher, wo der kürzeste Weg ist, den ich vom Parkplatz in den Laden gehen muss. Mit möglichst wenig Schritten. Manchmal stand ich auch im Laden, es gab mir einen Schlag und ich konnte nicht mehr weiterlaufen. Da stehst du dann einfach da und wartest. Manchmal verging der Schmerz oder aber ich humpelte irgendwie wieder raus.»

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«Es ist wichtig, sich zu fragen: Was schliesse ich daraus?»

Was ihr geholfen hat? Das Besinnen auf ihre Wurzeln. Ihre innere Stärke, die sie schon als Mädchen gehabt hat. «Meine Mutter sagte mir immer: Was dich nicht umbringt, macht dich stark. Es gibt Situationen, in denen du so am Verzweifeln bist, dass du ohne Eigenkraft nicht rauskommst. Natürlich kannst du dich fragen: Warum ich? Aber ich finde, wenn dir etwas passiert – und das geschieht ja allen von uns – ist es wichtig, sich zu fragen: Was schliesse ich daraus?»

Wenn man mittendrin steckt, umso schwieriger. Aber Michelle Limacher versucht, sich an der Hoffnung festzuhalten und merkt, wieviel Stärke ihr dies verleiht. «Ich sagte mir einfach immer, ich finde irgendwann jemanden, der mir hilft. Heute bin ich selbst eine Expertin. Ich las in diesen Jahren extrem viel, weil ich häufig nicht die ganze Info erhielt. Oder nur die halbe Wahrheit. Auch, dass die Ärzte immer wieder neue Vorschläge machten, irritierte und verunsicherte mich.»

Eine erste Operation bringt kaum Linderung. Ein zweiter, grosser Eingriff führt auch nicht zur vollständigen Schmerzfreiheit. Und: Michelle Limacher fällt mehrere Monate aus. Schmerzen, Krücken. Es dauert lange, bis sie wieder einigermassen Boden unter den Füssen hat. Sie geht wieder zur Arbeit, versucht, etwas Normalität in ihr Leben zurückzubringen, möchte anderen nicht zur Last fallen und auch nicht ständig darüber reden. «Aber es war so offensichtlich, also kam ich fast nicht darum herum.»

Dass sich ihr Leben ständig um dasselbe Thema dreht, ermüdet sie. Müde machen sie auch die vielen schlaflosen Nächte, als es darum geht, ob eine dritte Operation Sinn macht. «Dies war für mich die mit Abstand schwierigste Entscheidung. Ich wollte nur die Schrauben entfernen, zwei bis drei Monate an den Krücken sein und gut ist. Der eine Arzt schlug vor, den Oberschenkelknochen zu brechen. Ich hätte eine zweite, 20 bis 30 Zentimeter lange Narbe in Kauf nehmen und mich weitere sechs Monate krankschreiben lassen müssen. Da fragte ich mich mehr als einmal: Macht dies das Unternehmen nochmals mit, mein Umfeld, ich?»

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«Ich wollte einfach wieder leben.»

Die Vorstellung, dass alles wieder von vorne beginnen würde, zurück auf Feld 1, lähmt sie zunehmend. «Der Arzt sagte mir aber: ‘Mit einer erneuten grossen Operation hättest du die beste Chance, schmerzfrei zu leben.’ Ich tat mich unglaublich schwer, weil ich wusste, wenn ich falsch entscheide, habe ich unter Umständen eine vierte Operation, der ich mich unterziehen muss und es zieht sich alles noch länger hin. Aber ich entschied mich trotzdem für den kleineren Eingriff – und es war richtig. Ich wollte einfach wieder leben. Heute geht es mir gut.»

Bis sie soweit ist, eine klare Entscheidung zu treffen und eventuelle Konsequenzen tragen zu können, dauert es lange. Und sie lässt sich nicht drängen. «In dieser Zeit musste ich mich enorm einlesen, um für mich Klarheit zu schaffen. Das kann dir niemand abnehmen. Auch wenn das jetzt nach Klischee klingt: Diese schwierige Phase hat mich dazu gebracht, mehr im Moment zu leben.»

Sie weiss heute manchmal nicht mehr, woher die positive Haltung kommt, aber sie ist voller Energie und Tatendrang und hat den unerschütterlichen Plan, sich in ihr altes Leben zurückzukämpfen. «Menschen, die dies selbst nicht durchgemacht haben, können vielleicht nicht nachvollziehen, wie es ist, täglich, stündlich – manchmal auch einfach immer – Schmerzen zu haben. Ich konnte nicht, wie meine Kolleginnen, eine Weiterbildung machen oder reisen gehen. Mein Leben pausierte. Ich wollte so schnell wie möglich wieder auf die Beine kommen.»

Ein Jahr nach der letzten Operation ist Limacher in der Nachuntersuchung, wie so viele Male zuvor. Und merkt plötzlich, dass sie sich nicht wie sonst üblich Fragen notiert, sondern einfach keine hat. «Der Arzt meinte: ‘Ok, es gibt keinen Folgetermin.’ Man gab sich die Hand und ich war wieder frei. Das konnte ich kaum glauben.»

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«Ich führe nicht gerne streng. Aber es gibt Menschen, die explizit nach Führung suchen.»

Noch freier fühlt sie sich, als sie bald darauf mit ihrem Freund nach Thailand reist, ein Städtetrip. «Wir liefen den ganzen Tag durch Bangkok, kamen erst abends um 22 Uhr ins Hotelzimmer zurück. Ich setzte mich aufs Bett und begann vor Freude zu weinen. Mir wurde schlagartig bewusst, dass wir den ganzen Tag auf den Beinen waren und ich zum ersten Mal fast keine Schmerzen hatte. Nie null, aber fast keine.»

Von da an geht es steil aufwärts. Nicht schnell, aber kontinuierlich. Unterdessen läuft Michelle Limacher praktisch schmerzfrei: «Es ging mir so schlecht, dass die jetzigen 90% für mich einfach nur perfekt sind.» Steil aufwärts führt sie auch ihr Karriereweg. Nach den Zwangspausen, die sie durch die langwierige Krankheitsgeschichte erlebt, gibt sie wieder Vollgas. «Vom Empfang kam ich in den Kundendienst und wurde bald zur Teamleiterin BackOffice befördert. Ich war immer diszipliniert. Und ich sage auch, wenn ich etwas nicht gut finde oder es nicht unserem 5 Sterne-Konzept entspricht. Mein Vorgesetzter und ich teilen häufig die Meinung zu diesen Themen.»

Was ist denn für sie das Besondere an ihrem Beruf? «Ich war schon immer sehr empathisch und kann mich in andere Menschen versetzen und einfühlen. Ich bin zurzeit an der Ausbildung zur Führungsfachfrau und habe auch ein Leadership-Zertifikat gemacht. Das hilft mir, weil ich lerne, wie ich mit verschiedenen Menschen umgehen kann. Ich führe nicht gerne streng. Aber es gibt Menschen, die explizit nach Führung suchen. Dabei hilft es sicher, dass ich eine gute Menschenkenntnis habe. Wir haben es super im Team und das ist mir sehr wichtig.»

Dass gerade jetzt in der Zeit der Pandemie, der allgemeinen Verunsicherung, fremde Menschen in der vermeintlichen Anonymität eines Telefonanrufes auch mal unhöflich sind oder gereizt, kann Michelle Limacher gut nehmen. «Zurzeit fällt mir auf, dass tatsächlich mehr Menschen gestresst sind. Die Gründe liegen häufig anderswo. Ich sage mir dann immer: Wir stecken alle mit drin und es ist für uns alle nicht schön. So kann ich jede Situation entschärfen. Ich möchte aber betonen, dass dies Einzelfälle sind, und ich im Kundenkontakt auch sehr viel Schönes erlebe, weil der persönliche Austausch gerade in der jetzigen Zeit einen neuen Stellenwert erlangt hat.»

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«Ich finde, wir alle sollten alles haben dürfen.»

Künftig möchte sie sich noch mehr auf die Führung konzentrieren, eine zusätzliche Weiterbildung machen, weiter aufsteigen. «Als Frau in meinem Alter stellt sich auch die private Frage nach Familie. Für mich ein schwieriges Thema, weil ich das Gefühl habe, dass es immer noch so ist, dass wir uns entscheiden müssen: Möchte ich Karriere, möchte ich Kinder? Wir diskutieren viele solcher Themen in der Weiterbildung, wie zum Beispiel das Teilen der Führung. Trotzdem sind wir noch nicht ganz an dem Punkt, an dem ich gerne wäre, nämlich, dass beides genauso engagiert möglich ist. Ich finde, wir alle sollten alles haben dürfen.»

Was für ein Satz. Recht hat sie! Und das nimmt sie sich auch raus. Mit dieser natürlichen Autorität, die mir direkt ins Auge gestochen ist. Träume? Sie beginnt zu schwärmen. «Da fallen mir viele grosse Reisen ein, die noch offen sind: New York, Island, Kapstadt, Boulders Beach. Ich liebe Pinguine! 2020 wollte ich alles nachholen, was ich zwischen 2017 und 2019 verpasst hatte. Und dann kam die Pandemie. Bis heute ist Reisen nicht so einfach. Nächstes Jahr werde ich 30, da möchte ich dann schon eine schöne Reise machen. Ich habe noch ganz viel vor. Und weisst du was? Ich werde auch alles verwirklichen.»

So klar und bestimmt spricht nur eine, die weiss, wie es eben ist, wenn gar nichts mehr geht.

 

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Michelle Limacher, 29

Teamleiterin BackOffice Binelli Group

Welches Auto passt am besten zu deinem Charakter?

«Den M340 Touring finde ich ziemlich passend. Sportlich, elegant und flexibel – kann aber auch Gas geben.»

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