Rocco Sperti

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Rocco Sperti
Rocco Sperti
Mitarbeiterportrait

«Ich nehme das Leben, wie es kommt.»

Mit 40 Jahren bei Binelli Group ist er der dienstälteste Mitarbeiter. Ein Mann, der sein ganzes Leben lang unermüdlich angepackt hat. Bald wird Rocco Sperti pensioniert. Dann möchte er mit seiner Frau und mit viel Zeit im Gepäck im Wohnmobil zur Nordsee fahren und geniessen lernen.

Interview und Text: Anna Maier / Fotos: Simon Leibundgut

«Ich bin ein Büezer», sagt Rocco Sperti als erstes, als wir uns begegnen. Und: «Ich habe eigentlich gar nicht viel zu erzählen.» Doch, hat er. Viel. Und Spannendes. Ein Macher ist er, einer, der nicht tatenlos sein kann: «Meine Frau könnte davon ein Liedchen singen. Ich kann mich keine fünf Minuten hinsetzen. Früher war ich ein richtiger «Gischpel».»

Drehen wir die Zeit zurück. Der 1. Juni 1982 wäre sein erster Arbeitstag gewesen bei der damaligen Titan AG. Es war ein Pfingstmontag, weshalb der gelernte Carrosserie-Spengler erst Dienstag zur Arbeit erscheinen musste. Den Feiertag verbrachte er «in der Badi beim Tschutten» und brach sich dabei unglücklicherweise zwei Rippen. «Ich war gerade erst Vater geworden, drei Monate vorher, also biss ich auf die Zähne, ging arbeiten und liess mir nichts anmerken.» Da ist einer hart im Nehmen. Sperti nickt: «Ich war schon als kleines Kind so, ich kenne mich gar nicht anders.»

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«Ich hatte als Kind nur Flausen im Kopf.»

Wer seine Kindheitsgeschichte kennt, wird sich nicht weiter darüber wundern. In Süditalien geboren, war er vier Jahre alt, als seine Eltern ihn als einziges der Kinder mit in die Schweiz nahmen. Sein Vater hatte eine Arbeitsstelle gefunden in Illnau-Effretikon, die ganze Familie umzusiedeln war damals nicht möglich. Rocco, der Jüngste, durfte mit: «So wurde ich von meinen Geschwistern getrennt. Ein paar Jahr später kamen sie dann nach.»

Sperti war ein wildes Kind, das viele Flausen im Kopf hatte: «Wir fuhren Seifenkistenrennen und zäuselten. Lausbubenstreiche, die zum Glück immer glimpflich ausgingen. Mein Vater machte sich häufig Sorgen. Ich war nie der Initiant, nur der Mitläufer. Und das ist auch heute noch so.» Allerdings sei er viel ruhiger geworden über all die Jahre.

Der Kreis schloss sich wieder, als die Kinder Sperti erwachsen waren: «Alle zogen zurück nach Italien, Eltern, Geschwister. Dann war ich wieder allein. Für mich kam es aber nie in Frage, mitzuziehen. Auch wenn im Süden die Lebensqualität hoch ist, nervte ich mich häufig über die Arbeitsmoral gewisser Menschen. Der Schweiz habe ich alles zu verdanken, hier ist meine Heimat. Hier ist meine eigene Familie.»

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«Die schönsten Erinnerungen entstanden Im Wohnwagen.»

Seine eigene Familie, sie ist zentral in Rocco Spertis Leben. 23 war er, seine Frau Evelyne 20, als sie heirateten. «Wir waren vom ersten Tag unseres Kennenlernens an ein Paar. Das hat einfach gepasst.» Sie kriegten zwei Söhne – und ein Wohnmobil. «Wir sind «Wohnwägeler», mittlerweile haben wir schon den dritten. Der erste stand am Türlersee. Aber dann kamen die Hobbies der Kinder, Judo und Fussball, und wir gaben diesen Stellplatz auf.»

Ein Lächeln huscht über Rocco Spertis Gesicht, als er in die Vergangenheit abtaucht. Es sind bleibende Erinnerungen, die er mit seiner Familie geschaffen hat: «Wir waren in allen Schulferien da. Zur damaligen Titan Garage war es nur ein Katzensprung mit dem Töff. Morgens bin ich jeweils in den See gesprungen, hab mich kurz geduscht und bin dann ins Geschäft gefahren. Das war eine schöne Zeit.»

Was er nicht sagt, aber vermutlich meint: Es gab und gibt ihm ein Gefühl der Freiheit und der Entspannung. Für ihn, der «ein schlechtes Gewissen hat, sobald ich mich hinsetze», ein wichtiger Ausgleich zu seiner auch körperlich anspruchsvollen Arbeit.

«Das Wohnmobil bedeutet für mich Erholung. Hotels hingegen sind nicht unsere Welt. Das erste, was ich tue, wenn wir mit dem Wohnwagen unterwegs sind: Ich zieh kurze Hosen an und nicht wieder aus bis zum Ende der Ferien.» Sein herzliches Lachen erfüllt den Raum.

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«Hier arbeiten so viele junge, fröhliche Menschen. Das tut mir gut.»

Rocco Sperti mag es, da und dort einen lustigen Spruch zu machen. Auch wenn es Phasen gab in seinem Leben, die nicht zum Lachen waren. 2008 wurde er schwer krank. Trotzdem wollte er möglichst schnell wieder zurück an die Arbeit, was seiner Gesundheit aber nicht bekam und ihn für längere Zeit ins Krankenhaus brachte. «Mein Arbeitgeber sagte mir danach, ich müsse mich schonen. Etwas, das ich nicht gut kann. Auch meine Frau erinnert mich immer wieder daran. Sie hatte Mühe mit meinem Verhalten. Aber nun hat sie mich im Griff.» Wieder lächelt er.

Er sei generell nicht gerne auf andere angewiesen. Entsprechend schwierig muss es für ihn gewesen sein, dass er es während seiner Krankheit war und immer noch ist während der Phasen der Therapie. Er redet nicht gerne darüber. Lieber sagt er, dass es ihm wichtig sei, dass er weiterhin arbeiten dürfe: «Ich hatte am Anfang grosse Mühe damit, dass ich nicht mehr 100% angestellt sein konnte.

Was soll ich den ganzen Tag zuhause sitzen? Hier gibt es so viele junge, fröhliche Menschen. Das tut mir gut. Sie sind wie eine Familie für mich. Ich werde nie vergessen, wie Vorgesetzte und Mitarbeitende mir fürsorglich beistanden während meiner Zeit der Krankheit. Ich empfand das nicht als selbstverständlich und bin bis heute dafür dankbar.» Solche und ähnliche Sätze hört man immer wieder von langjährigen Binelli Group-Mitarbeitenden. Man arbeitet zusammen, spielt zusammen Fussball, geht gemeinsam in die Ferien, feiert Geburtstag.

Beim Wort «Geburtstag» legt sich Rocco Spertis Stirn in Falten. «Ich bin ein introvertierter Mensch. Meinen Geburtstag zu feiern ist für mich Stress pur. Entsprechend habe ich dies nur zweimal gemacht, und nur einmal gewollt. Die Party zum 60. war eine Überraschung meiner Frau. Es kamen so viele Leute, dass wir die Feier auf zwei Tage verteilen mussten, so dass ich Zeit hatte für alle. Arbeitskollegen, Nachbarn, Freunde aus der Schulzeit. Auch wenn es schön war, sie alle zu sehen, werde ich dies nicht wiederholen. Ich stehe einfach nicht gerne im Mittelpunkt.»

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«Manchmal schauen wir uns an und fragen: Wer ist der Nächste?»

Trotzdem ist er ein geselliger Mensch, der Freundschaften pflegt, genauso wie eine Beziehung. Wer in Rocco Sperti einen Freund hat, hat ihn fürs Leben. Was früher der Fussball (beim firmeninternen FC Titan war er während vieler Jahre als Verteidiger im Einsatz) oder das Harley-Fahren war («der «Töff» ist mittlerweile zu schwer für mich»), ist heute die Männerriege.

Dort wird nicht nur geturnt, sondern sich auch ausgetauscht. Über das Leben. Und das Älterwerden. «Es ist schon eigenartig. Als ich anfing, war ich einer der Jüngsten. Es gab Turner, die waren 92, das hat mich motiviert. Man sieht aber in dieser Gruppe auch, dass das Leben endlich ist. Einige sind von uns gegangen. Manchmal schauen wir uns an und fragen: Wer ist der Nächste? Ich liebe diesen Humor. Humor macht das Leben leichter.»

Er kennt sie auch, die schweren Seiten des Lebens. Seine Eltern, sein Bruder und seine Schwester sind verstorben. Selbst hat er weder Angst vor dem Älterwerden noch vor dem Tod. Aber es beschäftige ihn manchmal schon, wie die Liebsten damit umgehen würden.

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«Ohne Liebe geben und Liebe nehmen geht es nicht.»

Im Sommer 2022 wird Sperti pensioniert. Dann möchte er mit seiner Frau Eveline ohne Zeitdruck Deutschland erkunden und am liebsten bis an die Nordsee fahren. «Der Weg ist das Ziel. Wir bleiben dann einfach da, wo es uns gefällt, und lassen uns ein paar Monate Zeit.»

Zeit auch, um die Beziehung, die nun schon so viele Jahrzehnte hält, zu pflegen: «Das ist wichtig. Ohne Liebe geben und Liebe nehmen geht es nicht. In eine Beziehung muss man auch investieren.»

Wenn er so zurückschaut auf das bisherige Leben, das er geführt hat, würde er etwas anders machen? «Eigentlich nicht. Nein. Ich machte immer das, was ich konnte, schöpfte meine Möglichkeiten aus. Gott sei Dank hatten wir nie Schulden. Ich kannte einige, die lieber Materielles anhäuften. Das sagte mir nie was. Wir sind immer bescheiden geblieben. Für mich war nur wichtig, dass ich ein starkes Auto mit Anhängerkupplung hatte, damit es meinen Wohnwagen ziehen konnte.»

Rocco Sperti zwinkert. Es macht Spass, sich mit ihm zu unterhalten. Ein «Büezer», der das Herz am richtigen Fleck hat.

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«Der BMW X1. Nicht zu pompös, aber stark genug, um meinen Wohnwagen zu ziehen.»

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