Bin ich oberflächlich, weil ich Luxus mag?

Was macht wahren Luxus aus? Felicitas Morhart lädt dazu ein, den Blick zu verändern: Weg vom Besitzen, hin zum bewussten Erleben.

  • Text: Materialist Swiss Edition
  • Foto: Felicitas Morhart, Micheile Henderson, Anna Tarazevich, Julian Hochgesang, Linh Le on Unsplash
Bin ich oberflächlich, weil ich Luxus mag?

Felicitas Morhart beleuchtet in diesem Artikel eine neue Perspektive: Es geht nicht darum, was wir besitzen, sondern wie wir Luxus erleben. Sie plädiert für «Luxuskompetenz» – die Fähigkeit, sich tiefgehend mit der Handwerkskunst, dem Design und der Geschichte hinter Luxusobjekten auseinanderzusetzen.

Manchmal frage ich mich, ob ich oberflächlich bin, weil ich Luxus mag. Meine Mutter meinte einmal zu mir: «Ich verstehe gar nicht, was dich an dem Luxuszeugs so fasziniert – so hab ich dich doch gar nicht erzogen.» Seit Kindesbeinen lernen wir, dass eigentlich die inneren Werte zählen und die grössten Güter im Leben immateriell sind. Religionen, Märchen und pädagogisch wertvolle Autoren sind sich da einig. Etwa Antoine de Saint-Exupéry, der in seinem Bestseller «Der kleine Prinz» den weisen Fuchs lehren lässt: «Man sieht nur mit dem Herzen gut! Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar ...». Genau solche Weisheiten bringen mich in eine Zwickmühle, wenn ich mich dabei erwische, einer Frau am Steuer eines matt-blauen BMW Cabrio sehnsüchtig nachzuschauen, die Moncler-Outfits der Damen an den Skiliften von Verbier zu scannen und bei jedem Uhren- und Juweliergeschäft zwanghaft stehenbleiben zu müssen.

Ich glaube, dass Luxus ein schlechteres Image hat, als er verdient. Einer der Gründe, weshalb Luxus oft als moralisch verwerflich und oberflächlich abgestempelt wird, liegt an denjenigen, die Luxusprodukte lediglich dazu benutzen, um ihren Reichtum öffentlich zur Schau zu stellen, und sich dadurch Respekt und Bewunderung verschaffen wollen. Da wird gerne zu etwas gegriffen, das einfach nur teuer ist. Hier geht es um die Aussenwirkung von Luxus, den Image-Boost: Ich bin, was ich besitze.

Dem gegenüber gibt es aber auch eine andere Art und Weise, sich mit Luxus zu beschäftigen. Eine meiner Lieblingsforscherinnen, Prof. Yajin Wang von der CEIBS in Shanghai, spricht hier von «Luxuskompetenz». Menschen, die Luxuskompetenz aufbauen, sind diejenigen, die sich mit Luxusobjekten und -erfahrungen tiefgehend beschäftigen, etwa mit den technischen Details und einzigartigen Finessen von Design und Handwerkskunst, und ihre Passion mit anderen Fans teilen. Die über die Herkunft von Luxus-Unternehmen lesen, über deren Gründer:innen und deren Werte. Die ihren Geschmack schärfen, indem sie Eindrücke mit allen Sinnen aufnehmen und verstehen lernen. Die sich mit den Geschichten und Bedeutungen beschäftigen, die hinter Luxusprodukten stehen. Die Freude haben an Schöngeistigem, Ästhetik und Raffinesse.

«Ist Luxus eine profane Verführung, gegenüber der man standhaft bleiben muss?»

Um Luxus zu leben, braucht man ihn auch gar nicht immer zu besitzen, man kann ihn auch einfach nur geniessen. Es geht um die Freude an Schönheit, um anregende Gedanken, die Inspiration, die uns berührt und eine tiefe Verbindung zur Magie des Lebens spüren lässt. Ich gehe sogar so weit zu sagen, dass Luxuskompetenz uns glücklich machen kann. Denn einer Betätigung nachzugehen, bei der man die Zeit vergisst, in der man seine Leidenschaft lebt, nur um ihrer selbst willen, nennt man Flow. Und laut Glücksforschung ist Flow einer der Grundpfeiler für ein glückliches Leben.

Um Luxus zu leben, braucht man ihn auch gar nicht immer zu besitzen, man kann ihn auch einfach nur geniessen. Es geht um die Freude an Schönheit, um anregende Gedanken, die Inspiration, die uns berührt und eine tiefe Verbindung zur Magie des Lebens spüren lässt. Ich gehe sogar so weit zu sagen, dass Luxuskompetenz uns glücklich machen kann. Denn einer Betätigung nachzugehen, bei der man die Zeit vergisst, in der man seine Leidenschaft lebt, nur um ihrer selbst willen, nennt man Flow. Und laut Glücksforschung ist Flow einer der Grundpfeiler für ein glückliches Leben.

Vor diesem Hintergrund möchte ich dafür plädieren, dass wir alle an unserer Luxuskompetenz arbeiten sollten. Doing luxury instead of merely owning it.

Sie ist eine führende Stimme in der Luxusforschung. Sie ist Professorin für Marketing an der HEC Lausanne und Gründerin des Swiss Center for Luxury Research. Ihr erstes Luxusprodukt, das sie sich nach ihrer Doktorarbeit gönnte, war ein BMW Z4 Coupé – ein «tolles Coupé», das ihre Leidenschaft für Design und Exklusivität weckte. Mit ihrer Expertise beleuchtet sie, wie sich Luxuswahrnehmung und marketing im Wandel der Zeit entwickeln.

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